Am 16. Juli besuchten die Ärzte Dr. Arthur Lederer und Dr. Tim Eiser von der Schönklinik Bad Aibling
unser Gymnasium und hielten einen informativen Vortrag über Organspende für die 10. Jahrgangsstufe.
Sie betonten, dass es ihnen nicht darum ginge, zum „Ja“ zu überreden, sondern Organspende in der
Familie zum Gesprächsthema zu machen. Jeder sollte seine Entscheidung schriftlich auf einem
Organspendeausweis festhalten und seine Angehörigen informieren.
Aber geht diese Frage wirklich die Schülerinnen und Schüler einer 10. Klasse schon etwas an? Ganz
klar: ja! Schon mit 14 Jahren dürfen sie den Widerspruch zu einer Organspende auf einem Ausweis
ankreuzen, ab dem vollendeten 16. Lebensjahr auch die Einwilligung.
Die beiden Anästhesisten erklärten die aufwendige Feststellung des Hirntods, um Ängste vor
frühzeitiger Todeserklärung zu nehmen.
Obwohl viele Menschen in Deutschland der Organspende positiv gegenüberstehen, dokumentieren dies
nur wenige. Deutschland hat noch immer die Entscheidungslösung, während in den meisten
europäischen Ländern die Widerspruchsregelung gilt. Ein neuer Gesetzesentwurf könnte demnächst eine
Änderung bringen.
Doch was bedeutet dies für die Betroffenen? In Deutschland warten zurzeit über 9400 Menschen auf ein
lebensnotwendiges Organ wie Niere, Leber, Herz, Bauspeicheldrüse, Lunge oder Darm. Täglich erhalten
10 Patienten die rettende Transplantation, jedoch sterben auch jeden Tag etwa zwei bis drei Menschen,
weil es nicht rechtzeitig einen passenden Spender gibt. Ein Nierenpatient wartet im Schnitt acht Jahre
und muss sich während dieser Zeit dreimal wöchentlich der belastenden Dialyse unterziehen.
Den Schülerinnen und Schülern wurde erläutert, welche Aufgaben die DSO (Deutsche Stiftung
Organtransplantation) hat: sie klären die Spendereignung, führen Untersuchungen beim Patienten durch,
organisieren die Spendenentnahme und betreuen die Angehörigen des Toten.
Ganz andächtig und still wurde es, als die ebenfalls eingeladene ehemalige Patientin Caro Schambeck
zu den Schülerinnen und Schülern sprach. Eindrucksvoll erzählte sie ihnen von ihrem Leidensweg mit
der unheilbaren, genetisch bedingten Krankheit Mukoviszidose. Seit ihrer Geburt kämpft ihr Körper mit
zähflüssigem Sekret, das Lunge, Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse verstopft und bei ihr schon in der
Jugend trotz zahlreicher Therapien, täglicher Infusionen, vielen Medikamenten und Physiotherapie zu
einer chronischen Lungenentzündung führte. Caro bemühte sich weiterhin positiv zu bleiben. Sie
machte so viel Sport wie möglich, absolvierte das Abitur und studierte. Mit 28 Jahren hatte sie jedoch
nur noch 18% Lungenfunktion und war auf ständige Unterstützung bei der Atmung angewiesen. Nach
einem Jahr auf der Warteliste wurde die junge Frau dann endlich im August 2019 zwölf Stunden lang
operiert. Erst nach acht Monaten Krankenhaus und Reha konnte sie wieder nach Hause gehen. Heute ist
Caro fit: sie kann mittlerweile ohne Geräte Schifahren und Radfahren, hat das Klettern neu gelernt und
arbeitet als Bauleiterin am Deutschen Museum. Trotz weiterhin vieler Therapien, täglich zahlreicher
Medikamente und einigen Einschränkungen endete der Vortrag von Caro Schambeck mit den Worten:
DANKE für mein „Leben 2.0“. Den Schülerinnen und Schülern gab sie mit, das Leben wertzuschätzen,
jeden Tag.
Weitere Informationen finden Sie unter https://www.dso.de.
K. Stahl